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Fructose - der Zucker, der uns krank macht?

Weshalb wir den Konsum von Fructose generell reduzieren sollten

In Deutschland werden jährlich pro Kopf rund 44 Kilo Zucker konsumiert. Die WHO empfiehlt ein Maximum von 9 Kilo. Haushaltszucker besteht zu 50% - Isoglucose gar bis zu 90% - aus Fructose. Die gesundheitlichen Folgen dieses überhöhten Fructosekonsums können dramatisch sein. Fettleber, Gicht, Diabetes, Übergewicht und sogar Depressionen werden laut internationalen Studien mit langfristig überhöhtem Fructosekonsum in Verbindung gebracht.

Die historische Entwicklung:

Wegen seiner großen Süßkraft und seines niedrigen glykämischen Index galt Fructose früher als idealer Zuckeraustauschstoff und wurde zur Herstellung von diätetischen und Diabetiker-Lebensmitteln verwendet.
In den USA hat der aus Maisstärke gewonnene „high fructose corn syrup“ (HFCS), der zu 55-90%1 aus Fructose besteht, die Saccharose (Rohrzucker) seit den 1980er Jahren weitgehend verdrängt. Der Grund dafür war die günstige Herstellung aus regional verfügbarem (meist gentechnisch verändertem) Mais, sowie die hohe Süßkraft des Produktes. Dies führte dazu, dass die Verwendung von HFCS zwischen 1970 und 1990 um alarmierende 1000% anstieg2. Parallel dazu stieg auch die Anzahl der adipösen Personen dramatisch an. Doch der Einsatz von HFCS - auch Isoglukose genannt - nimmt in der Nahrungsmittelherstellung (Softdrinks, Ketchup, Soßen, Müslis, etc.) weiter zu.

Konsum Fructose und HFCS
Quelle: Deutsche Apothekerzeitung Nr. 25, S. 66, 20.6.2013

Im Jahr 2017 hat die EU die bis dahin geltende Höchstgrenze von fünf Prozent HFCS/Isoglukose in Lebensmitteln aufgehoben. Die EU-Kommission und die Lebensmittelindustrie selbst gingen damals davon aus, dass der Marktanteil der Isoglukose von 0,7 Millionen Tonnen pro Jahr (Stand 2017) auf 3 – 6,6 Millionen Tonnen pro Jahr steigen wird3. Dies entspräche dann einem Anteil der Isoglukose von ca. 40 % des gesamten Zuckermarktes in Deutschland. Davor lag dieser Anteil – dank der staatlichen Mengenregulierung, bei unter 5 %. In den USA, dem Musterland für verfehlte Ernährungsprävention, beträgt der Anteil der Isoglukose ca. 50 %.

Unzureichende Regulierung

Ein großes Problem stellt die unzureichende Regulierung von HFCS-Höchstwerten in Nahrungsmitteln dar. Dabei hat die Erkenntnis, dass der Konsum von isoglukosereichen Nahrungsmitteln massiv zur Entwicklung von Übergewicht beiträgt, in den USA bereits zu einem Umdenken und zur Einführung von Obergrenzen geführt. Univ.-Prof. Dr. Harald Vogelsang von der Abteilung für Gastroenterologie und Hepatologie der MedUni Wien meint dazu: „Es ist sehr bedauerlich, dass die EU aus rein ökonomischen Gründen dem Druck der Nahrungsmittelindustrie nach Freigabe der Isoglukose-Grenzwerte nachgegeben hat, ohne die daraus resultierenden Gesundheitsrisiken zu berücksichtigen. Das wird uns in den nächsten Jahren beschäftigen. Kalorisch ist das sowieso ein Wahnsinn. Fructose kann unser Sättigungsgefühl nicht befriedigen."4

Fehlende Kennzeichnung

Die Kennzeichnung des Fructosegehalts lässt ebenfalls zu wünschen übrig, denn diese ist gesetzlich nicht genau geregelt. Es existieren weder einheitlichen Bezeichnungen für fructosehaltige Süßungsmittel (Isoglucose, Invertzucker, Glucose-Fructose-Sirup, High Fructose Corn Sirup, etc.), noch ist die Angabe der enthaltenen Mengen vorgeschrieben. Das erschwert es Menschen mit Fructoseintoleranz, insbesondere bei Fertigprodukten wie Softdrinks, Süßigkeiten,Smoothies, Fertigpizza, Backwaren, Milchprodukte und in Gastronomiebetrieben, die für sie verträglichen Speisen und Getränke zu finden.

Assoziierte Krankheiten:Apfel mit Stetoskop - Fructosekonsum und assoziierte Krankheiten

Die intestinale Fructoseintoleranz:

Die intestinale Fructoseintoleranz ist eine erworbene Krankheit, die vermutlich auf ein defektes und vermindertes Transportsystem im Dünndarm zurück zu führen ist. Die Fructose kann in diesem Fall nicht ausreichend in den Körper aufgenommen werden. Die typischen Symptome sind Blähungen, Durchfälle, Übelkeit oder Bauchkrämpfe.

Fructose gelangt hauptsächlich aus Saccharose (Haushaltszucker), HFCS, sowie Fruchtsäften, Smoothies und durch den Einsatz von „verstecktem Zucker“ in Fertignahrungsmitteln in den Körper.

Fructose wird durch GLUT5, einem Transporter in der Dünndarmmembran, aus dem Dünndarm aufgenommen und in das Innere der Dünndarmzellen, in die Blutlaufbahn und zuletzt zur Leber transportiert. Dort entstehende Fette können in zu großen Mengen nicht mehr abtransportiert werden und es kommt zur nichtalkoholischen Fettleber (NAFL). Die NAFL ist eine der verbreitetsten Zivilisationskrankheiten und betrifft rund 30% der europäischen Bevölkerung.

Sorbitintoleranz:Obstscheiben gestapelt

Die Sorbitunverträglichkeit ist eng mit der Fructosemalabsorption verbunden, weil Sorbit mit der Fructose um den GLUT5 Transporter im Dünndarm konkurriert.
Sobald gleichzeitig mit Fruchtzucker auch Sorbit konsumiert wird, "kümmern" sich die GLUT5 Transporter um das Sorbit und stehen für den Transport von Fructose nicht mehr ausreichend zur Verfügung, wodurch die bekannten Symptome entstehen können.
Eine Sorbitunverträglichkeit kann einzeln oder gemeinsam mit der Fructoseintoleranz auftreten.

Der Konsum von Sorbit und anderen Zuckeralkoholen, wie beispielsweise Maltit, Xylit, Lactit und Mannit, verschlimmert die Symptome der Fructoseintoleranz.

Die Folgen übermäßigen Fructosekonsums:

Folgen übermäßigen Fructosekonsums - Ansicht Lebergrafik
Quellverweis Punkt 5

Aus physiologischer Sicht hat Fructose mehrere Nachteile:

Fructose wird in der Leber unkontrolliert abgebaut. Die Abbauprodukte von Fructose dienen großteils als Baumaterial für die Synthese von Triglyceriden. Die resultierenden erhöhten Triglyceridspiegel können auf die Dauer – auch ohne übermäßigen Alkoholgenuss – eine Fettlebererkrankung verursachen.5

Weiters wird beim Abbau von Fructose viel Phosphor verbraucht. Dadurch kommt es zu einem Anstieg des Harnsäurespiegels. Das ist gleichbedeutend mit einem Risiko für Gicht bzw. für ein metabolisches Syndrom mit den Symptomen Bluthochdruck und Insulinresistenz; die Folgeerkrankung ist paradoxerweise ein Diabetes mellitus Typ 2, bei dem laut bisherigen Empfehlungen gerade dieser alternative Zucker "Fructose" als verträgliches Süßungsmittel galt. 

Im Gegensatz zu Glucose macht Fructose nicht satt, denn das Sättigungsgefühl hängt indirekt vom Blutglucosespiegel ab, der die Sekretion der Hormone Insulin, Leptin und Ghrelin steuert; es wird nur ein kleiner Teil der Fructose in Glucose umgewandelt, jedoch der größte Teil in Fett.
Ob ein Zusammenhang zwischen der weit verbreiteten Stoffwechselerkrankung Fructosemalabsorbtion und erhöhtem Fructosekonsum besteht, ist noch Gegenstand von Forschungen. Der Anteil von Personen mit Fructosemalabsorption ist mit rund 30% der Bevölkerung im Vergleich zu anderen Nahrungsmittelintoleranzen (Histamin-, Gluten- & Lactoseintoleranz) jedenfalls relativ hoch.

Schlusswort von Renée Hanslik (Entwicklerin der FRUNIX®-Produkte):

"Eine differenzierte öffentliche Debatte zur gesundheitsschädlichen Wirkung von Fructose ist bisher leider ausgeblieben. Die Einführung gesetzlicher Bestimmungen von HFCS-Höchstwerten, sowie eine klare Kennzeichnung des Fructosegehaltes in Lebensmitteln wäre ein wichtiger Schritt zur Verbesserung der Gesundheit und zur Senkung der Folgekosten.

Vertrauenspersonen wie Ärzte, Apotheker und deren Mitarbeiter, sowie Laborangestellte, können am Beispiel Fructose durch kompetente Aufklärung einen wesentlichen Beitrag zur Vermeidung chronischer Krankheiten leisten.

All Jene, die auf eine fructosereduzierte Ernährung angewiesen sind, sollten die Möglichkeit haben, eindeutig gekennzeichnete und klar ausgelobte Produkte zu finden.

Alle politisch Verantwortlichen sollten darauf hinwirken, dass Konsumenten über die gesundheitlichen Konsequenzen von überhöhtem und verstecktem Fructosekonsum aufgeklärt werden. Dies würde die Lebensqualität der Bevölkerung erhöhen und die volkswirtschaftlichen Kosten der chronischen Krankheiten minimieren."

Renée Hanslik-Bakalarz-Zákos

 

Quellen:

1) Basciano, H., Federico, L. & Adeli, K. Fructose, insulin resistance, and metabolic dyslipidemia. Nutr Metab (Lond) 2, 5 (2005). https://doi.org/10.1186/1743-7075-2-5
2) ebd.
3) Marlen Haß und Martin Banse, Thünen-Institut für Marktanalyse: Wie wettbewerbsfähig ist die deutsche Zuckerwirtschaft? Das Ende der Zuckerquote 2017, Berlin, Mai 2016
4) https://www.kleinezeitung.at/lebensart/5511935/Isoglukose-als-Problem_Immer-mehr-Menschen-vertragen-Fruktose-nicht
5) Fructose: A Dietary Sugar in Crosstalk with Microbiota Contributing to the Development and Progression of Non-Alcoholic Liver Disease, 19 September 2017
Jessica Lambertz 1, Sabine Weiskirchen 1, Silvano Landert 2 and Ralf Weiskirchen 1*
1 Institute of Molecular Pathobiochemistry, Experimental Gene Therapy and Clinical Chemistry (IFMPEGKC), RWTH University Hospital Aachen, Aachen, Germany
2 Culture Collection of Switzerland AG (CCOS), Wädenswil, Switzerland
6) G.B.M. Mensink, A. Schienkiewitz, M. Haftenberger, T. Lampert, T. Ziese, C. Scheidt-Nave: Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung – Gesundheitsschutz,
Übergewicht und Adipositas in Deutschland, Ausgabe 5-6/2013, DEGS1-Studie
7) B.-M. Kurth · A. Schaffrath Rosario Robert Koch-Institut, Berlin, BRD, Die Verbreitung von Übergewicht und Adipositas bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland, Bundesgesundheitsbl - Gesundheitsforsch - Gesundheitsschutz 5/6 · 2007, KiGGS
8) Weiß J, Rau M, Geier A: Non-alcoholic fatty liver disease—
epidemiology, clincal course, investigation and treatment.
Dtsch Arztebl Int 2014; 111: 447–52. DOI: 10.3238/arztebl.2014.0447 Weiß et al. 2014
9) Heidemann C, Du Y, Paprott R, Haftenberger M, Rathmann W, Scheidt-Nave C. Temporal changes in the prevalence of diagnosed diabetes, undiagnosed diabetes and prediabetes: findings from the German Health Interview and Examination Surveys in 1997-1999 and 2008-2011. Diabet Med. 2016;33(10):1406‐1414. doi:10.1111/dme.13008, Heidemann et al. 2016
10) Diet, Nutrition, Physical Activity and Cancer: A Global Perspective, The Third Expert Report WCRF/AICR 2007
11) J.J. Rumessen, E. Gudmand-Hoyer: Absorption capacity of fructose in healthy adults. Comparison with sucrose and ist constituent monosaccharides. In: Gut. 27, 1986, S. 1161–1168.
A.S. Truswell, J.M. Seach, A.W. Thorburn: Incomplete absorption of pure fructose in healthy subjects and the facilitating effect of glucose. (PDF; 1,7 MB) In: Am J Clin Nutr. 48, 1988, S. 1424–1430.
P. Born, J. Zech, H. Lehn, M. Classe, R. Lorenz: Colonic Bacterial Activity Determines The Symptoms In People With Fructose-Malabsorption. In: Hepato-Gastroenterology. 42, 1995, S. 778–785. PMID 8847022.
12) J.J. Rumessen, E. Gudmand-Hoyer: Absorption capacity of fructose in healthy adults. Comparison with sucrose and ist constituent monosaccharides. In: Gut. 27, 1986, S. 1161–1168.P. Born, J. Zech, H. Lehn, M. Classe, R. Lorenz: Colonic Bacterial Activity Determines The Symptoms In People With Fructose-Malabsorption. In: Hepato-Gastroenterology. 42, 1995, S. 778–785. PMID 8847022.
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